„Bei den Vorbereitungen für die AUSTROFOMA am Stuhleck liegen wir gut im Plan“ – Klaus Friedl und Stefan Zwettler (re.)

Zum aktuellen Stand der AUSTROFOMA-Vorbereitungen am Stuhleck führte die Waldtec ein Gespräch mit dem Forstabteilungsleiter in der LK Steiermark, Stefan Zwettler, und mit dem AUSTROFOMA-Projektleiter, Klaus Friedl.

Der Vier-Jahres-Rhythmus der AUSTROFOMA erlaubt es, Maschinenzyklen und ganze Karrieren in der Forsttechnik in Perioden einzuteilen. Das Gespräch mit Stefan Zwettler und Klaus Friedl vermittelt einen Eindruck davon, wie gut investiert in wohlüberlegte Vorbereitung die Zeit zwischen den AUSTROFOMA-Jahren tatsächlich ist – ja sein muss, um den Siegeszug dieses international bedeutsamen Live-Messeformats fortzuführen. Wichtigste Neuheit: Noch nie hat eine AUSTROFOMA die Aufstiegshilfen eines Schigebiets genutzt. Den wild entschlossenen und potenziellen Messebesuchern sei empfohlen: Lösen Sie Ihr Ticket online! Der Kartenvorverkauf auf www.austrofoma.at läuft bereits!

Wie laufen die Vorbereitungen für die AUSTROFOMA 2023? Was waren die großen Herausforderungen?

Stefan Zwettler (SZ): Die erste große Herausforderung für eine Großveranstaltung wie die AUSTROFOMA ist es, einen geeigneten Betrieb als Austragungsort zu finden: Hauptkriterien sind hier Waldausstattung sowie Logistik und Infrastruktur für viele tausend Besucher. Wir haben den Ort sehr sorgfältig ausgewählt und in den Stuhleck-Bahnen sowie den ÖBf die idealen Partner gefunden. Das ist natürlich viel einfacher administrierbar, als wenn man mit einer Vielzahl an Forstbetrieben ins Konzept integrieren müsste.

Klaus Friedl (KF): Wir sind nun schon gut zwei Jahre lang intensiv daran, sie vorzubereiten und mit den Arbeiten gut im Plan. Worüber wir uns freuen ist, dass die meisten Aussteller anlässlich der Ortsbegehung wirklich begeistert waren vom Standort. Natürlich müssen wir uns täglich neuen Herausforderungen stellen, aber es macht echt Spaß, diese mit einem kleinen, aber guten Team immer wieder zu meistern. Die allergrößte Herausforderung ist: Wie bringe ich die vielen Besucher in kurzer Zeit in den Wald hinauf? Die zweite Challenge ist: Wie können wir die Forstwirtschaft in der Steiermark mit ihrer Bergwaldwirtschaft würdig repräsentieren? Wir haben insgesamt elf Seilkranfirmen hier, der Schwerpunkt liegt also heuer klar in der Steilhangbewirtschaftung. Auch deshalb ist das Schigebiet Stuhleck ideal.

SZ: Das Ganze hat auch eine forstpolitische Dimension. Wir leben in Zeiten, wo durch den Green Deal der EU und verschiedener Interventionen von Naturschutzorganisationen die Waldwirtschaft insgesamt infrage gestellt wird. Wir sehen unseren Auftrag auch darin, vor diesem Hintergrund unsere nachhaltige Waldwirtschaft zu herzuzeigen – und damit auch die Innovationen im Bereich Harvester und Seilkrantechnik. Wir wollen zeigen, wie sich eine umsichtige und schonende Waldwirtschaft auch ökonomisch rechnet.

Wie viele Besucher erwarten Sie?

KF: Wir orientieren uns bei dieser Einschätzung an der Entwicklung der Besucherzahlen in den vergangenen AUSTROFOMA-Jahren. Wir erkennen daraus: Wir werden über 20.000 Besucher haben. Diese Zahl haben wir auch bei unserer Logistik und unserem Sicherheitskonzept als Eingangsgröße angenommen. Das führte uns zu einer wichtigen Neuerung: Um den Besucherzustrom über die drei Veranstaltungstage in etwa auszugleichen, ist die Eintrittskarte tagesbezogen und im Online-Vorverkauf gleich um 25 € günstiger als an der Tageskasse. Wir limitieren die Karten pro Tag auf etwa 7.500 Stück. Damit können wir die Besucherzahlen über die Tage hinweg etwas besser verteilen. Wir brauchen diesen Lenkungseffekt, damit wir die Beförderungszeiten an den Liften kurz halten können. Es wird natürlich auch Tickets für alle drei Tage geben und Vergünstigungen für Schüler und Studenten.

Das Gros der Karten sollte aber online verkauft werden ...

KF: Richtig! Aber wir bieten das Service an, dass kein Angereister draußen bleiben muss, wenn er kein Online-Ticket hat. Nur kostet dieses Service halt 25 € extra.

Wird man auch die Kartenscanner an den Schiliften nutzen?

SZ: Nein, das können wir nicht, weil die Systeme nicht kompatibel sind. Die Firma, die den Ticket-Online-Verkauf für uns abwickelt, liefert auch ein Scan-System. Zum einen werden Mitarbeiter die Besucher busweise scannen, diese können dann über die Promi-Bahn befördert werden. Zum anderen können die mit Pkw angereisten Besucher ihr „clearing“ dann an Scannern an der Hauptbahn erhalten. Ein ähnliches System hat sich schon bei der Elmia Wood bewährt.

Wie viele Aussteller wird es am Stuhleck geben?

KF: Ich gehe von über 150 Ausstellern aus.

2011 hat die Steiermark zuletzt die AUSTROFOMA ausgerichtet, danach war sie in Oberösterreich und zuletzt im Burgenland. Gibt es unter den Landesorganisationen der LK so etwas wie eine Best Practice Policy bzw. inwiefern fließen Erfahrungen der vorigen Veranstalter in die aktuelle Organisation der AUSTROFOMA mit ein?

SZ: Das gibt es natürlich! Dreh- und Angelpunkt ist hier die Landwirtschaftskammer Österreich in der Person von Martin Höbarth. Er begleitet diesen Prozess auf der Wiener Ebene. Ganz wichtig: Nach jeder AUSTROFOMA wird eine Feedback-Schleife eingezogen, wo analysiert wird, was sich bewährt hat und wo noch „Haken im System“ vorhanden sind. Hier gibt es mit den Forstkollegen in den anderen Bundesländern ein hervorragendes Zusammenwirken.

KF: Ja, da gibt es keinerlei Barrieren! Man weiß, wer die letzten Veranstalter waren, wer die nächsten sind, da hilft jeder dem anderen auch mal übers Handy.

Wir hatten seit Forchtenstein eine Pandemie. Wie hat das die Organisation der aktuellen AUSTROFOMA beeinflusst? Wird der Anteil der ausländischen Aussteller diesmal geringer sein?

SZ: Wir konnten bisher keinerlei Beeinträchtigungen wahrnehmen. Ganz im Gegenteil: Das Interesse ist enorm! Man merkt auch, wie starkdie Vorfreude auf das Zusammenkommen innerhalb der Branche ausgeprägt ist. Auch die Hersteller brennen darauf, ihre Produkte zu zeigen.

KF: Es prallen hier zwei Dinge aufeinander: Einerseits gibt es diesen Überdruck seitens der Hersteller, ihre Innovationen wieder vorzuführen. Andererseits melden sich einzelne Aussteller auch wieder ab, weil sie wichtige Komponenten für ihre Maschinen nicht rechtzeitig geliefert bekommen haben. Die großen Firmen sind allesamt da. Das Interesse von Delegationen aus Amerika und aus Asien ist besonders groß. Ich glaube also nicht, dass es einen Corona-Effekt geben wird.

Experten sagen uns, dass Laubholzanteile in unseren Wäldern steigen werden. Wäre es nicht visionär gewesen, diesmal Harvester und Forwarder in einem laubholzdominierten Bestand vorzuführen?

KF: Nun, die vergangene AUSTROFOMA hat in einem laubholzdominierten Bundesland stattgefunden. Wir in der Steiermark sind prädestiniert dafür, die nachhaltige Bergwaldbewirtschaftung vorzuführen. Wir haben Jahre der Kalamitäten hinter uns und da ist es, denke ich, schon sehr interessant zu sehen, wie sich modernste Erntetechnik am Steilhang bewährt und wie man den Wald dort klimafit macht.

SZ: In der Steiermark ist Laubwald kleinst strukturiert. Es wäre ein enormer Aufwand, dort eine AUSTROFOMA zu veranstalten.

Gehört forstlichen Demo-Messen die Zukunft?

SZ: Ich glaube, dass im internationalen Forstmessekalender der Rhythmus passt. Die AUSTROFOMA ist gut beraten, nicht wie andere in Richtung Jahrmarkt abzugleiten. Auch der Vier-Jahres-Zyklus sollte beibehalten werden, denn das lässt Zeit für wirkliche Innovationen in der Forsttechnik und das wiederum generiert einen entsprechenden Anziehungseffekt für das Fachpublikum. Ich denke, die AUSTROFOMA hat im Vergleich der Forstmessen den größten Live-Anteil bei den Vorführungen. Der Organisationsaufwand ist allerdings enorm im Steigen.

KF: Die AUSTROFOMA hat ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. Sie bietet wie keine andere Messe „Forstwirtschaft zum Angreifen“. Neben dem Ziel, eine Leitmesse für die professionellen Besucher zu sein, ist sie auch ein Signal an die Öffentlichkeit, wie moderne, schonende und kosteneffiziente Waldwirtschaft heute aussehen kann – und das kann man hier hautnah miterleben. Ich erlebe es immer wieder auch im fernen Ausland, dass mich dort Kollegen nach der AUSTROFOMA fragen, weil sie selbst auch schon einmal auf einer waren. Dann wird schnell klar: Die AUSTROFOMA genießt bei Besuchern und Ausstellern einen guten Ruf.

Wo können gerade Kollegen aus „forstlichen Schwellenländern“ mit unserer modernen Seiltechnik vertraut werden?

SZ: Dazu wird es auch am Stuhleck Stände und kompetente Ansprechpartner unserer forstlichen Ausbildungsstätten geben. Diese bieten hier hervorragende Ausbildungsprogramme an. Ich denke, das macht einen ganz wesentlichen Teil der Anziehungskraft einer AUSTROFOMA aus, zu erfahren: Wie kann ich mich weiterbilden? Wie kann ich das tolle Gerät für meine Bedürfnisse optimal einsetzen? Solche Kunden werden hier wirklich gut beraten.

Man hört von Forstunternehmern immer wieder Kommentare wie: „Wenn ich nur geeignete Fahrer hätte, ich würde sofort die nächsten Maschinen ordern.“ Wie kann man diesem Engpass abhelfen?

SZ: Junge Menschen sind ebenso eine wichtige Zielgruppe der AUSTROFOMA. Wir wollen diesen jungen Leuten vorführen, wie spannend, anspruchsvoll und zukunftsorientiert die Arbeit mit moderner Forsttechnik ist. Denn es wird immer wichtiger, über gut ausgebildete Fachkräfte zu verfügen, die die schonende Holzernte quasi in der DNA haben. Man wird auch bei der Ausbildung selbst immer mehr digitale Wege beschreiten, die etwa über KI fremdsprachenunterstützt sind, auch der Einsatz von Simulatoren und Drohnen wird immer weiter verbreitet sein. Und zu all diesen Instrumenten braucht es eine gute Ausbildung.

Forsttechnik ist auch eine Disziplin intensiver Forschungen. Wie wird das auf der AUSTROFOMA 2023 abgebildet?

KF: Traditionell gab es schon seit vielen Jahren die Formec-Symposien am Sonntag vor dem Beginn einer AUSTROFOMA. Da hat uns die Pandemie bei den Vorbereitungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und so wird dieser Wissenschaftskongress diesmal in Rom stattfinden. Trotzdem haben uns die Organisatoren zugesichert, dass ein oder zwei Reisebusse aus Rom zu uns aufs Stuhleck kommen werden. Diese Zugänge – zuerst wissenschaftlich und dann praktisch – haben sich bisher immer recht gut bewährt und ergänzen einander ausgezeichnet.

Man strebt also bei der AUSTROFOMA bewusst einen regen Austausch zwischen Maschinenherstellern, Wissenschaftlern und Ausbildungsstätten an ...

KF: Definitiv! Maschinenhersteller haben Forschungsanliegen, Ausbildungsstätten benötigen Updates von Maschinenherstellern, die wiederum profitieren, wenn Azubis ihre Maschinen kennenlernen. Da gibt es Synergien in alle Richtungen. Auch das trägt zum besonderen Habitat einer AUSTROFOMA bei.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang der AUSTROFMA-Innovationspreis?

SZ: Alle Welt spricht heute von Innovation. Ich finde es wichtig, Innovationen, durch die Praxis-Anforderungen an die Forsttechnik besonders gut erfüllt werden können oder die revolutionär neue und ressourcenschonende Anwendungen möglich machen, vor den Vorhang zu holen. Für einen Hersteller kann so eine Prämierung schon einige Bedeutung haben, denn sie wirft schon ein helles Scheinwerferlicht auf so eine Innovation. Die Breitenwirkung des AUSTROFOMA Innovationspreises ist sicher nicht zu unterschätzen!

KF: Der Innovationspreis ist ein medialer Event, der die Ausgabe einer AUSTROFOMA bis zu einem gewissen Grad prägt, weil er die Frage: „Was gab es dort Neues?“, sehr plakativ auf den Punkt bringt.

SZ: Die wirtschaftliche Umsetzung von Seiltechnik im steilen Gelände bei größtmöglicher Bestandesschonung ist ein wesentlicher Motor für die Innovationen bei einer AUSTROFOMA wie hier. Auch das wird im Innovationspreis sicherlich zum Tragen kommen. Ich erinnere mich noch, wie man bei Seilkranen über Flügelräder aus Holz versuchte, überschüssige Kräfte abzubauen ...

KF: ... und heute werden diese überschüssigen Kräfte in Akkus gespeichert, um den Gesamtenergiebedarf entscheidend zu senken. Das ist doch preiswürdig, oder?

Viele Fachbesucher werden Karten im Online-Vorverkauf erwerben wollen. Ab wann sind sie erhältlich?

KF: Wir sind seit drei Wochen offen! Der Verkauf läuft bereits und er läuft vielversprechend!

 

Quelle: Forstzeitung Ausgabe Juli 2023
Redaktion und Foto: Robert Spannlang